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Bericht der "SM 1092 Pluto" von der MK Hameln [ 7. Aug. 2009 - 11:35]
 
Farbenfrohe Fähnchen, unterschiedlich in Größe und Form, flattern über dem grauen Schiff im Wind. „Wimpel und Flaggen“, sagt Kai Hüller. „Sie stehen für einen Buchstaben oder eine Zahl.“ Einige der Signalfahnen, die in der Seefahrt benutzt werden, haben außerdem eine besondere Bedeutung, symbolisieren beispielsweise „Mann über Bord“. Die kleinen bunten Banner dienen der Kommunikation zwischen Schiffen untereinander sowie zwischen Schiffen und Küstenstationen – für die „Pluto“ indes ist diese Art der optischen Verständigung längst Geschichte. „Heute sind die Flaggen reine Dekoration“, sagt Hüller.


Überhaupt ist die „SM 1092 Pluto“ schon lange nicht mehr mit explosiven Aufträgen auf den Meeren unterwegs. Das Schiff, 1959 in Dienst gestellt, gehörte zum 5. Minensuchgeschwader, war in Olpenitz stationiert und wurde nach 26 Dienstjahren und 160.000 Seemeilen am 1.Juli 1987 ausgemustert. „Funkstille“ herrscht jetzt trotzdem nicht auf der „Pluto“, denn 1988 brachte die Marinekameradschaft Hameln das einst mit Bewaffnung ausgestatte Minensuchboot („eine 40 mm-Flak L/70 Bofors“) ans Ufer der Weser. Baute es in Eigenleistung um, und seit 1992 ist es das „Vereinsheim“ der Kameradschaft - und insofern wieder mit Leben gefüllt.
Im Heck ist es eingerichtet, das Lokal, wo sich die mehr als 200 Freunde maritimer Traditionen regelmäßig treffen und zu öffentlichen Frühschoppen laden. Bei schönem Wetter wird an Deck, mit herrlichem Blick auf die Weser, gefeiert. Großzügig ist diese Freiluft-Fläche, richtig eng hingegen wird es, je tiefer es in den Bauch des 266,5-Tonners, 47,44 Meter langen und 7,20 Meter breiten Schiffes geht.












































Hüller, ausgebildeter Radar- und Videomechaniker und Jugendwart bei der Marinekameradschaft, übernimmt hin und wieder auch den Job eines „Schiffs-Guide“, und an dieser Stelle warnt der 34-Jährige die Besucher, die das Schiff besichtigen: „Vorsicht! Gut festhalten und den Kopf einziehen!“






























Die steile und schmale Holztreppe, die hinunterführt in die „Sperrzone“, in den Navigations-, Funk- und Maschinenraum sowie in Offiziersmesse und Kajüten, knatscht unter den Füßen. Es ist extrem warm unter Deck.





























Die Luft riecht nach altem, knochentrockenem Holz. „Im Bugbereich gibt es eine Lage antimagnetischen Krupp-Blechs. Der Rumpf des Schiffes aber besteht aus Teak, Mahagoni und Eiche.“ Aufgrund seiner Holzbauweise, erklärt Hüller weiter, sei das Schiff unempfindlich gegen Magnetminen gewesen.






























Aber alles Militärische, wie beispielsweise das Bordgeschütz, Funk- und Radarsysteme, sei nach der Ausmusterung der Pluto selbstverständlich entfernt worden. Wenn man denn überhaupt von Komfort reden kann, so gilt: Je höher der Dienstgrad des Einzelnen, desto größer und gemütlicher der „Wohnraum“ unter Deck. Den Kürzeren zogen die zehn Mann, die die Schlafstätte direkt unter der Bordkanone beziehen mussten. Im Navigationsraum rollt Kai Hüller eine Karte von 1977 auf, tippt mit dem Finger auf markante Punkte: „Elbe, Hamburger Hafen, Radarlinie…“ Na ja, wer kein Experte ist, ist froh, wenigstens die alten Schilder und Tafel zu verstehen, die in den schmalen Gängen an den Holzwänden hängen: „Den guten alten Hansen President gab es für 6,50 Mark den Liter“, liest Hüller und lacht.






























Die „Preisliste für unverzollte und verzollte Ware der Bordkantine vom 16. Januar 1986“ führt neben dem unter Seeleuten offensichtlich begehrten Whisky unter anderem Zigaretten, Softgetränke und Pils in der Preislage zwischen 40 und 80 Pfennig je Flasche auf. Schokoriegel waren für 50 Pfennig das Stück zu haben, und während einfache Seife 40 Pfennig kostete, musste man für ein duftendes Wässerchen aus Köln glatt neun Mark hinblättern. Ob dieser Preis für Aufregung unter der 35-Mann-starken Besatzung gesorgt hat, lässt sich nicht sagen – bei dem, was auf einer anderen Tafel zu lesen ist, hat es gewiss ordentlich Dampf gegeben: „Auf Gefechtsstation!, „Macht die Schotten dicht“ oder „Ruderversager“ – für jede Meldung gab es ein jeweils anderes akustisches Alarmsignal.



Heute bekommen die Gäste an Bord der „Pluto“ zum Glück viel angenehmere Töne zu Gehör: Melodien der Meere, die der Shanty-Chor der Marinekameradschaft an Hamelns „Waterkant“ erklingen lässt.

Text & Bild: Alda Maria Grüter
 
 
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